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Es ist ein Unterschied, ob ich etwas glaube oder an jemanden glaube. So kann ich beispielsweise glauben, dass es morgen regnet, ohne dass ich an die Wahrsagerin glaube, die das in ihrer Kugel vorhergesehen haben will. Der christliche Glaube ist zuerst und vor allem ein Glaube an jemanden, an eine Person, an Jesus Christus. Doch unser Glaube erschöpft sich nicht in der Begeisterung für die Person Jesu und sein Programm. Zum christlichen Glauben gehört auch die Überzeugung, dass sich bestimmte theologische Aussagen über Jesus machen lassen. Was also glauben wir über Jesus?

 

Du bist der Messias

Für seine Jünger erschien Jesus als der Messias. Er war es, auf den die Juden warteten und der Israel erlösen sollte. Jesus griff die Erwartungen der Gläubigen auf. Er verkündete das Reich Gottes. Zur Bestätigung seiner Sendung und als Zeichen der nahen Erlösung wirkte er Wunder. Er sammelte einen Kreis von Jüngern um sich und sandte sie mit dem Auftrag aus, in seinem Namen zu predigen.

Der Glaube an Jesus von Nazareth als den Messias verbindet uns Christen auf unlösliche Weise mit dem jüdischen Volk. Doch zugleich trennt uns das Bekenntnis zu Jesus als dem Retter und Erlöser aller Menschen von den Juden. In der Tat weicht das Bild des leidenden und am Kreuz sterbenden Christus von der verbreiteten Vorstellung des Messias ab, der Israel Frieden bringen und das Reich des Königs David wiederherstellen soll. Deshalb erwarten die Juden bis heute das Erscheinen des Messias.

Du bist der Sohn Gottes

Der Glaube an Jesus Christus führt zu einem neuen Gottesverständnis. Obwohl Gott nur einer ist, bekennen die Christen ihn als Gemeinschaft von drei Personen: Vater, Sohn und Geist. Jesus ist der Mensch gewordene Sohn Gottes. Im Glaubensbekenntnis heißt es, er sei „aus dem Vater geboren vor aller Zeit“. Der Sohn Gottes ist also nicht, wie alle übrigen Dinge, von Gott geschaffen. Es gab ihn, als es noch keine Welt gab, und es gäbe ihn auch dann, wenn Gott nie eine Welt erschaffen hätte. Außerdem heißt es im Credo, der Sohn sei „eines Wesens mit dem Vater“. Zwischen Sohn und Vater besteht kein Unterschied hinsichtlich ihres Gottseins. Es wäre ein Irrtum zu meinen, der Vater sei der wahre Gott, während Jesus bloß in irgendeinem eingeschränkten Sinn Gott ist.

Die Überzeugung von der Gottheit Jesu kann leicht dazu verleiten, dass man weniger Wert auf seine Menschheit legt. Aus dem Menschen Jesus von Nazareth wird dann eine geheimnisvolle Erscheinung, eine Art göttliches Phantasma, dem aber das wirkliche Menschsein abgeht. Für die Christen kommt es darauf an, sowohl die Gottheit als auch die Menschheit Jesu, beides in gleichem und vollem Umfang, ernst zu nehmen und festzuhalten. Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Unbeschadet seiner göttlichen Natur wurde Jesus an Weihnachten wirklich geboren und ist am Karfreitag tatsächlich gestorben.

Du wirst wiederkommen in Herrlichkeit

Das Neue Testament spricht von der Menschwerdung des Sohnes Gottes als Entäußerung. Gott, der vor allr Zeit war und über allem Geschaffenen steht, wird als sterblicher Mensch ein Teil der Schöpfung. Die Erniedrigung geht so weit, dass er einen schmachvollen Tod stirbt und in die den Toten vorbehaltene Unterwelt hinabsteigt. Doch gerade daraus schöpfen die Christen seit jeher Trost im Leiden und Hoffnung für ihre Toten.

Gott hat die Macht des Todes gebrochen und Jesus von den Toten auferweckt. Er erschien seinen Jüngern und kehrte dann zurück zum Vater. Mit der Auferstehung und Himmelfahrt ist das Heilswirken Jesu freilich nicht beendet, sondern wir erwarten die Wiederkunft des Messias. Dieses endgültige Erscheinen des Sohnes Gottes steht am Ende der Zeit und beschließt die Geschichte der Menschheit. Damit verbunden ist das Jüngste Gericht, in dem Jesus die Aufgabe des Richters über die Lebenden und die Toten zufällt.

Die Evangelien lassen keinen Zweifel an dem Maßstab, nach dem Jesus Christus unser Denken, Reden und Tun beurteilen wird: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Wir wissen keine Antwort auf die Frage, ob und wie viele Menschen es gibt, die von der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit ausgeschlossen sind oder sich selbst ihr endgültig verschließen.

Aber wir dürfen hoffen, dass durch die Hingabe Jesu die ganze Menschheit mit Gott und untereinander versöhnt wird. Wenn die Toten zum ewigen Leben auferstehen, tritt Christus seine messianische Herrschaft an.

Was wir gewöhnlich den Himmel nennen, ist die Vollendung der ganzen Schöpfung im ewigen Reich des Sohnes Gottes.

aus: Jesuiten. Informationen der Deutschen Provinz der Jesuiten, 57. Jg., 2006, Heft 4.